Freiheitsentziehende Maßnahmen in der Behindertenhilfe

Freiheitsentziehende Maßnahmen schränken Körperbewegungen oder Positionswechsel ein, die eine Person willentlich ausführen möchte (Evans et al. 2002). Freiheitsentziehende Maßnahmen sind heute unter fachlichen, ethischen und juristischen Gesichtspunkten als Schutzmaßnahme nur nach Ausschöpfung aller milderen Maßnahmen zu rechtfertigen und zudem selbst gesundheitsgefährdend. Sie besitzen aber weiterhin einen großen Verbreitungsgrad in der Arbeit mit Menschen mit körperlichen, geistigen, psychischen sowie mit komplexen Behinderungen. In Momenten herausfordernden Verhaltens (z.B. Auto- und Fremdaggression), von Sturz- oder Werglaufgefärdung, aber auch als pädagogische und therapeutische Maßnahme, werden freiheitsentziehende Maßnahmen im Bereich der Eingliederungshilfe eingesetzt. Nicht selten sind diese Maßnahmen eine Antwort auf scheinbar unauflösbare Probleme.

 

Über die Häufigkeit der Anwendung von FEMs in der Eingliederungshilfe ist sehr wenig bekannt und eine gute valide Datenbasis fehlt uns gänzlich. Eine Evaluationsstudie im Auftrag des Kommunalverbandes Baden-Württemberg aus dem Jahr 2006 zeigte, dass von 247 untersuchten Personen, 93% regelmäßig mit Psychopharmaka behandelt, bei 69% Freiheitsbeschränkungen ergriffen und 22% eine Fixierung erhalten.

 

Im Sinne der Steigerung der Lebensqualität und zur Achtung der Menschenrechte ist die Reduzierung von freiheitsentziehenden Maßnahmen ein in der Gegenwart und der Zukunft zu verfolgendes Ziel. Auch im Zuge der Inklusionsdiskussion stellt die Reduzierung von FEMs einen wichtigen Meilenstein in der Einlösung der UN-Behindertenrechtskonvention dar.

 

Das Institut inverso. unerstützt Einrichtungen der Behindertenhilfe durch Fortbildungsmaßnahmen dabei bisheriges Tun zu reflektieren, die Folgen von FeM zu verdeutlichen und nachhaltig Wege zu finden, wie Fixierungen reduziert werden können, ohne dadurch mehr Risiken eingehen zu müssen.

 

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inverso. 

André Hennig
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